Unterlagssorten

SO4

V. berlandieri x V. riparia

Wüchsigkeit
mittel
Trockentoleranz
mittel
Chlorosefestigkeit
gut
Aktivkalktoleranz1
~ 20 %
Vegetationsabschluss2
mittel

Die SO 4 ist auf fast allen Böden und Standorten verwendbar und besonders für kalkreiche, tiefgründige und fruchtbare Böden geeignet. Auf trockenen, weniger fruchtbaren Standorten sowie bei großen Standräumen kann ihre Wuchskraft zu schwach sein.

Binova

V. berlandieri x V. riparia(SO 4-Mutation)

Wüchsigkeit
mittel(etwas stärker wie SO4)
Trockentoleranz
mittel
Chlorosefestigkeit
gut
Aktivkalktoleranz1
~ 20 %
Vegetationsabschluss2
mittel – spät

Binova besitzt grundsätzlich eine große Bodenadaptionsbreite und eignet sich besonders für kalkreiche, fruchtbare Böden. Bei blüteempfindlichen Rebsorten ist sie besonders zu empfehlen. Wuchs etwas stärker als SO4.

125AA

V. berlandieri x V. riparia

Wüchsigkeit
mittel – stark
Trockentoleranz
mittel
Chlorosefestigkeit
mittel
Aktivkalktoleranz1
~ 17 %
Vegetationsabschluss2
mittel

125 AA eignet sich besonders für gut durchwurzelbare, tiefgründige und skelettreiche Böden. Dank ihrer stärkeren Wüchsigkeit kommt sie auch mit trockeneren Standorten zurecht. Auf zu flachgründigen, nassen und verdichteten Böden ist sie dagegen weniger geeignet. Sie weist eine gute Bewurzelungsfähigkeit auf. Beeinträchtigt trotz der stärkeren Wüchsigkeit den Beerenansatz blühempfindlicher Rebsorten nicht negativ.

5BB

V. berlandieri x V. riparia

Wüchsigkeit
stark
Trockentoleranz
mittel – gut
Chlorosefestigkeit
gut
Aktivkalktoleranz1
~ 20 %
Vegetationsabschluss2
mittel – spät

5BB eignet sich besonders für durchlässige, leichtere und wuchsschwächere Böden. Auf tiefgründigen Standorten kann sie ein übermäßiges vegetatives Wachstum fördern, was die Fäulnisgefahr erhöhen kann. Bei Dauerbegrünung wirkt sich ihre starke Wuchskraft vorteilhaft aus. Auf triebigen, fruchtbaren Böden steigt bei blühempfindlichen Rebsorten die Verrieselungsgefahr.

1103 Paulsen

V. berlandieri x V. rupestris

Wüchsigkeit
stark
Trockentoleranz
gut
Chlorosefestigkeit
mittel
Aktivkalktoleranz1
~ 18 %
Vegetationsabschluss2
spät

1103 Paulsen eignet sich besonders für tiefgründige, tonige und kalkhaltige Böden sowie für Standorte mit längeren Trockenperioden. Sie reagiert jedoch empfindlich auf Staunässe. Sie vermittelt der Edelreissorte einen sehr starken vegetativen Wuchs, bedeutet sie steckt viel Energie in Triebe und Blätter. In kühleren Jahren kann der lange Vegetationszyklus die Traubenreife und Holzausreife verzögern. Fördert Verrieselung und lockere Traubenstruktur bei blühempfindlichen Sorten.

Richter 110

V. berlandieri x V. rupestris

Wüchsigkeit
sehr stark
Trockentoleranz
gut
Chlorosefestigkeit
mittel
Aktivkalktoleranz1
~ 17 %
Vegetationsabschluss2
sehr spät

Die 110 Richter eignet sich besonders für warme, trockene Standorte sowie für Hang- und Steillagen mit flachgründigen, skelettreichen Böden. Standorte mit Staunässe sind ungeeignet. Langer Vegetationszyklus, in kühleren Jahren oder ungünstigen Lagen können sich Trauben- und Holzausreife deutlich verzögern. In den ersten Jahren nach der Pflanzung zeigt sich die Unterlage oberirdisch eher schwachwüchsig, man geht davon aus, dass anfangs viel Kraft in die Wurzelbildung gesteckt wird. Erst nach dem fünften Standjahr legt der Wuchs deutlich zu. Je nach Bodenart ist sie dann mittel bis starkwüchsig.

¹ Aktivkalk

Aktivkalk ist der besonders reaktionsfähige Anteil des Bodenkalks, der die Eisenverfügbarkeit beeinflussen kann.

 

Was ist der Unterschied zwischen Gesamtkalk und Aktivkalk?

  • Gesamtkalk: Der gesamte im Boden enthaltene Kalk, überwiegend Calciumcarbonat (CaCO3).
  • Aktivkalk: Der Aktivkalk bezeichnet den besonders reaktionsfähigen Anteil des Calciumcarbonats im Boden. Er beeinflusst die Verfügbarkeit von Eisen für die Rebe und damit die Kalkchloroseanfälligkeit.

Ein Boden kann viel Gesamtkalk enthalten, ohne dass sein Aktivkalkgehalt im gleichen Verhältnis hoch ist. Umgekehrt kann auch bei einem geringen Gesamtkalkgehalt vergleichsweise viel Aktivkalk vorliegen.

 

Warum ist Aktivkalk für die Unterlage so entscheidend?

Bei hohem Aktivkalkgehalt kann Eisen im Boden zwar vorhanden, für die Rebe aber schlecht verfügbar sein. Die Rebe kann dann trotz ausreichenden Eisengehalts im Boden unter Eisenmangel leiden. Das führt zur Kalkchlorose: Die Blätter vergilben, während die Blattadern zunächst grün bleiben. Bei starkem Mangel können Wachstum und Ertrag deutlich zurückgehen.

Die Unterlage beeinflusst, wie gut die Rebe Eisen unter solchen Bedingungen aufnehmen und nutzen kann. Deshalb ist die Aktivkalktoleranz eine zentrale Eigenschaft bei der Auswahl der Unterlage.

 

² Vegetationsabschluss

Ein früherer Vegetationsabschluss kann die Ausreife des Holzes begünstigen. Ein später Abschluss kann dagegen die Holz- und teilweise auch die Traubenreife verzögern. Entscheidend sind zusätzlich Rebsorte, Ertrag, Wasser- und Nährstoffversorgung sowie Witterung.